Studium oder Ausbildung? – So geht es nach dem Abitur weiter

Junge Menschen, die kurz vor dem Abitur stehen oder dieses bereits in der Tasche haben, müssen die Weichen für ihre berufliche Zukunft stellen und gewinnen so einen ersten Eindruck davon, was es mit dem Ernst des Lebens auf sich hat. Das Abitur kommt als Hochschulzugangsberechtigung daher, was allerdings nicht zwingend bedeutet, dass ein Wechsel an eine Hochschule ein Muss ist. Stattdessen haben Abiturienten die Qual der Wahl und müssen zunächst eine Grundsatzentscheidung treffen, indem sie sich zwischen einem Studium und einer Ausbildung entscheiden.

Zunächst verspüren Schüler/innen vor allem Euphorie und Erleichterung, schließlich haben sie die Schulzeit erfolgreich hinter sich gebracht und können nun mit dem Abitur einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Dass dann weitreichende Entscheidungen zu treffen sind, bleibt nicht aus und bringt Abiturienten in eine schwierige Lage.

Häufig ist dies das erste Mal, dass sie Verantwortung für ihr eigenes Leben übernehmen müssen. Zunächst müssen sie eine grundsätzliche Entscheidung fällen und festlegen, ob sie studieren oder eine Ausbildung machen möchten. Der vorliegende Ratgeber soll dabei behilflich sein.

Nach dem Abitur studieren

Als Abiturient/in ist man im Besitz der Allgemeinen Hochschulreife und will diese selbstverständlich auch nutzen. Es liegt folglich nahe, im Anschluss an das Abitur an eine Hochschule zu wechseln und dort zu studieren. Ein grundständiges Studium mit dem Ziel Bachelor kann zu einem ersten akademischen Grad führen, wobei klassische Abschlüsse in Fächern wie Medizin und Jura nach wie vor gebräuchlich sind.

Mit dem Abitur erfüllt man die üblichen Zulassungsbedingungen und kann so ein Fach studieren, das den persönlichen Karrierewünschen gerecht wird. Nicht zuletzt die Tatsache, dass sich in nahezu allen Bereichen eine zunehmende Akademisierung abzeichnet, erscheint ein Studium nach dem Abitur als ideale Wahl.

Der klassische Weg vom Abitur zum Studium hat allerdings auch ein paar Tücken. So verdient man zunächst kein Geld und muss weiterhin fleißig lernen. Vor allem das gestufte Studienmodell, das durch die Bologna-Reform eingeführt wurde, kommt sehr verschult daher. Dass der Studiengang und der laufende Lebensunterhalt finanziert werden müssen, steht zudem außer Frage.

Berufsausbildung nach dem Abitur

Abiturienten, die nicht vollends davon überzeugt sind, dass sie studieren sollten, fassen vielfach eine klassische Berufsausbildung ins Auge. In vielen Berufen herrscht akuter Fachkräftemangel, während zugleich hohe Ansprüche gelten. All diejenigen, die es nicht mehr abwarten können, ins Berufsleben einzusteigen und ihr erstes eigenes Geld zu verdienen, liegen mit einer dualen Berufsausbildung goldrichtig. Im Zuge dessen erlernen sie den betreffenden Beruf von der Pike auf und erlangen den offiziellen Berufsabschluss.

Damit können sie die berufliche Praxis erleben und sich als versierte Fachkraft positionieren. Im Laufe der Zeit entwickeln sich allerdings karrieretechnische Ambitionen, die sich in Ermangelung eines Hochschulabschlusses nicht immer verwirklichen lassen. Dies liegt vor allem an der Akademisierung, die vor allem für Führungspositionen einen Studienabschluss voraussetzt.

Wie kann man Ausbildung und Studium kombinieren?

Eine Berufsausbildung sorgt für einen schnellen und sicheren Einstieg in den Beruf. Abiturienten können oftmals eine verkürzte Ausbildung absolvieren und währenddessen einen anerkannten Ausbildungsberuf erlernen. Viele Unternehmen betrachten die Ausbildung als Investition in die Zukunft und sorgen so für gute Übernahmechancen. Langfristig kann eine Berufsausbildung folglich zu einem sicheren Arbeitsplatz führen.

Im Gegenzug winkt aber kein akademischer Grad, der von Führungskräften heutzutage fast schon erwartet wird. Indem Abiturienten ihre Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung nutzen und zunächst studieren, können sie den hohen Erwartungen der Wirtschaft gerecht werden und ihre Karrierechancen nachhaltig steigern. Allerdings ist zu beachten, dass ein Studium recht theoretisch daherkommt und somit in praktischer Hinsicht zu wünschen übrig lässt.

Nach dem Abitur können sich viele Absolventen kaum entscheiden und schwanken lange zwischen einem Studium und einer Ausbildung. Beide Varianten können auf ihre Art überzeugen, haben aber auch einige Schwächen.

Die ideale Vorstellung einer Kombination von Studium und Ausbildung kann real werden, denn es gibt die Option eines dualen Studiums. In diesem Zusammenhang ist auch von ausbildungsintegrierenden Studien die Rede. Abiturienten, die sich dafür entscheiden, erhalten einerseits eine praktische Ausbildung im Betrieb und erlangen andererseits einen akademischen Grad mit internationaler Anerkennung.

Welche Möglichkeiten zur Orientierung bestehen nach dem Abitur?

Dass es schwierig ist, sich für eine Ausbildung oder ein Studium zu entscheiden und somit einen konkreten Weg einzuschlagen, steht außer Frage. Die Bewerbung für einen dualen Studiengang, der beide Aspekte kombiniert, erscheint natürlich sehr naheliegend. Die damit verbundenen Herausforderungen sowie die relativ knappen Studienplätze in dualer Form machen es aber schwierig, so Fuß zu fassen.

Es ist ohnehin wichtig, dass man als Abiturient/in genau abwägt und sich zunächst darüber klar wird, was man erreichen möchte. Es ist auch keine Schande, sich Zeit zur Orientierung zu nehmen und beispielsweise sechs Monate oder ein Jahr auszusteigen. Grundsätzlich haben sich die folgenden Orientierungsmöglichkeiten für die Zeit nach dem Abitur etabliert:

  • Praktikum
  • Bundesfreiwilligendienst
  • Freiwilliges Soziales Jahr
  • Freiwilliges Ökologisches Jahr
  • Auslandsaufenthalt
  • Fernkurse

Abiturienten, die sich nicht unter Druck setzen lassen, können so ergründen, ob sie studieren oder eine Ausbildung absolvieren möchten. Dabei können sie auch herausfinden, in welche berufliche Richtung es grundsätzlich gehen soll, schließlich muss man sich auch für ein Studienfach beziehungsweise einen Ausbildungsberuf entscheiden.

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